J & M
ARTWORK
DAS Tanz- und Bewegungsstudio in Gessertshausen
Kristine Tinesz, Dorfstraße 8c, 86459 Gessertshausen, Tel. 08238/5421, Mobil 0170/9973320

J & M Artwork

Jazz and modern Dance

 




ALDI - Da werden Hausfrauen zu Hyänen!


Aldi wo′s all die schönen Sachen gibt...da zog′s mich neulich hin, hatte ich doch in einem Prospekt ein Super-Sonderangebot gesehen. Einer dieser Wurfzettel, die einem den Briefkasten verstopfen und irgendeinem Schüler pro 1000 Stück € 5.- einbringen, oder so. Eigentlich gehe ich nicht in einen Supermarkt, bei mir erledigt das die Freundin. Höchstens, daß ich bis vor die Ladentüre fahre und dort dann auf einem Behindertenparkplatz parke. Mit diesen verdammten Krücken und den ewigen Schmerzen kann ich mir eh höchstens eine Tüte um den Hals hängen, und alles nur, weil mir auf der Autobahn ein Reifen geplatzt ist. Und mir platzt öfters der Kragen, seit ich in die Kategorie "Behindert" gehöre und immer wieder feststellen muß, wie wenig doch an uns gedacht wird.
Immerhin, in dem Supermarkt öffnen sich wenigstens die Türen automatisch, sowohl beim Eingang als auch beim Ausgang. Ein echter Fortschritt, wenn man bedenkt, daß die Brüder bis vor kurzem sogar am Telefon gespart haben. Heißes Wasser für′s Personal gibt′s bis heute nicht. Nicht mal ein Faxgerät. Nur zum Verkauf. Und genau deswegen machte ich mir die Mühe, dorthin zu fahren. Irgend jemand würde mir schon helfen, den riesigen Karton zu schleppen. Solche Geräte sind immer verpackt wie für nen Mondflug. Aber der Preis ist unschlagbar und die Qualität paßt auch, also mußte ich unbedingt so ein Multifunktions-Gerät haben.

Drucken Scannen, Faxen! Ich hangle mich mit meinen Krücken Richtung Eingang, die Türe öffnet sich automatisch und ich denke, hoffentlich gibt′s die Geräte noch. Normalerweise sind solche Angebote immer ruckzuck vergriffen, aber ich bin früh dran und baue auf mein Glück.
Der Boden ist aalglatt, pflegeleichte Fliesen, häßliche Farbe, aber keiner der recht zahlreich anwesenden Kunden interessiert sich dafür. Ich tapse in den Mittelgang, dorthin, wo solche Angebote stehen und sehe schon von Weitem die großen Kartons. Ganze drei Stück stehen da noch und ne Menge Leute in der Nähe. Jetzt aber hurtig. 360 Grad Rundumblick - da steht ja ein Krawattenträger am Kühlregal und füllt Ware auf. Zweiter Gang, tocktack, tocktack, die linke Krücke scheppert ein bißchen, brauch ich mal eine neue. Ein freundliches Wort an den Herrn: ...ich hätte gerne eines von den Drucker-Faxgeräten, kann aber den Karton nicht tragen, wären Sie bitte so freundlich? Natürlich ist er, und seinen kurzen mißbilligenden Blick übersehe ich ebenso wie das Schildchen an der Brusttasche "Filialleiter". Mir doch egal. ER steigt von seinem Schemel und geht mir voraus zu den Geräten. Noch zwei Kartons. "Welche Farbe?", fragt er, dabei sieht ein Blinder, daß es nur noch schwarz gibt, aber es sei ihm entschuldigt, er steht im Streß. "Egal", sage ich, "Hauptsache, es funktioniert". Er nimmt einen Karton und trägt ihn Richtung Kasse. Ich auf meinen Krücken hinterher. Leute beobachten uns. Der nette Filialleiter sieht einen Jungverkäufer und ruft ihn an: "Herr Meier, kommen Sie doch mal, kurze Pause - bitte!" Herr Meier kommt und erhält die mündliche Anweisung, den Karton auf das Laufband einer freien Kasse zu tragen, diese in Betrieb zu nehmen, den Kaufpreis zu kassieren, die Kasse zu schließen und mir den Karton ans Auto zu tragen. Gesagt, getan, Herr Meier nimmt den Karton und legt ihn auf das Laufband der Kasse. An der Nachbarkasse steht eine lange Schlange meist ungeduldiger Hausfrauen und beobachten mich. Herr Meier sagt mir, er müße schnell den Schlüßel für die Kasse holen, ich möge doch bitte solange warten. Sehr freundlich. Hätte ich sowieso getan. Bleibt mir ja gar nix anderes übrig.

Ich beobachte das Damenrudel an der Nachbarkasse. Dort macht sich Nervosität breit und fast bilde ich mir ein, daß ein paar mit den Füßen scharren wie Rennpferde vor dem Start. Wird "meine" Kasse nun geöffnet oder nicht? Natürlich wird sie. Zu diesem Entschluß kommt zumindest eine der Ladies, die im Rudel nicht nur ziemlich weit hinten sondern im Leben wahrscheinlich auch ziemlich weit unten steht. Ohne Zögern wechselt sie die Fronten und stellt sich hinter mich. Pure Höflichkeit, daß ich ihr jetzt erkläre, daß die Kasse eigentlich nicht...., nö - warum eigentlich? Ich grinse ganz freundlich - wer mich kennt, hätte gesagt: süffisant! Mein Grinsen verstärkt sich mit dem Anwachsen der Schlange hinter mir. Komisch, grad eben gings mir doch noch schlecht, immer dieses um Hilfe bitten, auf andere angewiesen sein - und plötzlich geht′s mir saugut. Neun mehr oder wenige nette Damen stehen schon hinter mir. Toll! Und dann kommt Herr Meier, etwas hektisch, nimmt hinter der Kasse Platz, hantiert etwas umständlich mit einem großen Schlüsselbund, das Display leuchtet auf, er schiebt den Kasseneinsatz in die Schublade und fängt an zu tippen. € 98.-. Ich geb ihm hundert, schließlich trägt er ja noch den Karton bis zu meinem Auto. Er bedankt sich ganz artig, gibt das Geld in die Kasse und schließt sie ab. Dann steht er auf. "Diese Kasse ist geschlossen", sagt er und geht um die Kasse herum, nimmt meinen Karton und geht vor mir her. Ich werfe neun Frauen mein süßestes Lächeln zu und folge ihm. Ich spüre meinen Schmerz nicht mehr, die Farbe des Fußbodens ist mir total egal - wie konnte ich nur mit einem Schlag neun Frauen so enttäuschen...

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Der Wortinstallateur und Literatourist